Herstellung von Japanpapier

Japanpapier oder japanisches Papier kennt in seiner Vielfalt kaum Grenzen und ist für die unterschiedlichsten technischen und handwerklichen Anwendungen geeignet. So haben japanische Papiere bzw. Papiere aus Japan seit vielen Jahrzehnten ihren festen Platz bei der Papierrestaurierung, Buchbinderei und hochwertigen Handdrucken gefunden.

Seit 1609 hatte die Niederländische Reederei Vorder-Ostindien-Kompanie (VOC) einen Handelsvertretung in Japan. Vermutlich ebenso seit dieser Zeit verwendete diese dann lokal hergestellte Papiere - also Japanpapiere - für die Verwaltung. Im Laufe der nächsten Jahre verbreiteten sich die Japanpapiere über diesen Weg nach Taiwan, Indonesien und später in die Niederlande. So kam es auch, dass Rembrandt etwa seit 1647 auf eben jenem japanischem Papier - welches wir heute als Japanpapier bezeichnen - seine Radierungen druckte und gelegentlich darauf zeichnete. Im Vergleich zu den damaligen europäischen Papieren weisen die von Rembrandt verwendeten japanischen Papier oft eine glattere und glänzendere Oberfläche auf.

Japanpapier gibt es als handgeschöpfte Papiere in Bogen, als maschinengefertigtes Japanpapier von der Rolle oder als maschinengefertigtes Japanpapier in Bogen geschnitten. An dieser Stelle möchten wir einen kurzen Einblick in den sehr aufwendigen Produktionsprozess japanischer Papiere geben.

Dieser kurze Film zeigt, wie ein Bogen Japanpapier in traditioneller japanischer Art geschöpft wird („Nagashi-zuki“-Methode | Stand: Oktober 2016).

Das Schöpfsieb („su") besteht aus mehreren stirnseitig aneinander stoßenenden Bambusstängeln identischen Durchmessers, die von Fäden umschlungen nebeneinander gebunden werden. Hierdurch bleibt das Sieb in einer Richtung sehr flexibel, was das „Abgautschen“ (die Abnahme des feuchten Japanpapierbogens vom Sieb) sehr erleichtert. Da dies in einer rollenden Bewegung geschieht, spricht man auch vom Rollsieb.

Zum Schöpfen eines gleichmäßigen Bogens Japanpapier muss jedoch die absolute Planlage des Siebes gewährleistet sein. Daher wird das Sieb für den eigentlichen Schöpfvorgang in einen Rahmen („keta") eingespannt.

Die Stoffbütte ist traditionell zumeist aus Tannen- oder Zedernholz gefertigt und hat heutzutage zumeist einen Einsatz aus Edelstahl.

Die Besonderheit der Japanpapiere – „Washi“ genannt – erklärt sich aus der Verwendung der natürlichen Rohstoffe und Herstellungsverfahren. Als Faserrohstoff dient der Bast des Kozu- (broussonetia papyrifera), Mitsumata- (edgeworthia papyrifera) oder des Gampi-Strauches (wickströmia canescens). Insbesondere bei der Bezeichnung „Kozu“ ist die Schreibweise nicht eindeutig. „Kozu“, „Kozo“ oder „Kooso“ sind lautsprachliche Übertragungen in lateinische Schrift. In Japan (Nordost- nach Südwest-Ausdehnung mehr als 2.000 km) wird das japanische Kanji-Zeichen unterschiedlich ausgesprochen.

Von allen Faserrohstoffen für Japanpapier sind die Kozu bzw. Kozo-Fasern die bedeutensten. Verschiedentlich wird behauptet, dass inzwischen bis zu 90% des Japanpapiers aus Kozu hergestellt wird. Der große Vorteil der Kozu-Faser gegenüber anderen - auch westlichen Papierfaserrohstoffen - ist die Faserlänge. Diese beträgt bei Kozu meist zwischen 15 bis 20 mm. Mitsumata-Fasern sind zwischen 4 bis 5mm lang. Papiere aus Mistumata haben ein leicht samtartiges aussehen mit einer glatten und glänzenden Oberfläche. Gampi ist sehr reißfest. Da sich die Gampi-Stauden aber schwierig züchten lassen, spielen diese Fasern bei Japanpapieren eher eine nachrangige Rolle.

Papiermacherwerkstatt (links) mit blühendem Mitsumata-Strauch im Hintergrund in Japan

Die Stauden werden als ein- oder zweijährige Stangen über dem Erdboden abgeschnitten und unter einer Haube gedämpft. Dabei löst sich der Bast vom Stängel. Bei echten Japanpapieren wird im Gegensatz zu westlichen Faserstoffen (Zellulose) zur Papierherstellung ausschließlich dieser Bast verwendet. Dessen lange und fein fibrillierbare Fasern bilden die Grundlage für die herausragenden Eigenschaften unserer Japanpapiere. Der abgeschälte Bast wird in schwacher Lauge (ca. 4 Stunden lang) gekocht – ein Grund für den neutralen pH-Wert. Traditionell wurde hierfür die Asche von Holzkohle verwendet, inzwischen wird hierfür mitunter auch gelöschter Kalk, Natriumcarbonat oder Natriumhydroxide verwendet.

Durch das Kochen lösen sich die einzelnen Faserstränge voneinander und die äußere schwarze Rinde trennt sich vom Bast. Für unsere hochwertigen Restaurierpapiere wird der Bast anschließend bundweise in bergquellfrischem Wasser ausgewaschen und zugleich von der Sonne gebleicht. Nur ausnahmsweise werden dabei chemische Bleichmittel eingesetzt.

Wässerung und Bleiche der Fasern 

Nach ausreichender Wässerung werden Faserverknotungen aus den fibrillierten Strängen unter fließendem Wasser besonders sorgsam herausgepickt. Das ist einer der aufwendigsten handwerklichen Arbeitsgänge mit entscheidendem Einfluss auf die gleichmäßige, knotenfreie Blattbildung. Anschließend werden die Fasern mit einem Schlagstock aus Holz (Kariaki) (auf)geschlagen. Dies ist ein sehr langdauernder Prozess, da gemäßt der Tradition stets 4x an die gleiche Stelle geschlagen werden muss. Eisenschlägel sind für die Herstellung von japico-Japanpapieren absolut untersagt, da sie bei der restauratorischen Verwendung Oxidationen (Rostflecken) verursachen würden. Durch das Aufschlagen werden die Fasern nicht gebrochen sondern von einander getrennt. Dieser Prozess ist inzwischen durch den Einsatz von stumpf bemesserten Mahlwerken ("Holländer" bzw. "naginata") mechanisiert. Hierdurch werden die Papiere in ihrer Erscheinung gegenüber dem Handklopfen gleichmäßiger. Besonders bei unseren feine Japico-Papieren für die Restaurierung haben wir bei unserer Papierherstellerauswahl darauf geachtet, dass für diesen gesamten Prozess der Faseraufbereitung nur Maschinen und Anlagen aus Edelstahl (inkl. der Bemesserung des Holländers) Verwendung finden.

Ausschließlich langfaserige Faserrohstoffe, der schonende Faseraufschluss, traditionelle Verarbeitungsmethoden und der Zusatz von Nori (oder auch Neri genannt), dem Schleim der Hibiscus-Wurzel (hibiscus manihot, ein natürliches Dispersionsmittel), bzw. bei einigen Produkten auch ein besonders langmolekulares Polymer, welches für die besonders feine Suspension der Fasern bzw. des „Stoffs“ in der Schöpfbütte sorgt, werden für die Herstellung von echten Japanpapieren verwendet. Vereinfacht ausgedrückt kann festgehalten werden: Nori erhöht einerseits die Viskosität des Wassers, die zur Blattformung notwendig ist. Andererseits umhüllt es die Faser, sodass deren Kontakt untereinander sich auf ein Minimum beschränkt bzw. die Fasern nicht zusammenkleben.

Papierschöpfprozess „Nagashi-zuki“-Methode

Beim Schöpfen japanischer Papiere nach der „Nagashi-zuki“-Methode werden zunächst 2 bis 3 dünnste Faserlagen auf dem Rollsieb abgelegt, auf die dann eine dickere Zwischenlage und abschließend nochmals eine dünne Faserlage aufgeschöpft werden. Im Gegensatz zur europäischen Handschöpferei wird das Sieb zur Herstellung eines Bogens mehrfach (üblicherweise vier- bis neunmal) in die Bütte getaucht. Die einzelnen Phasen werden als kakenagashi (Eintauchen der Form und erste kräftige Bewegung zur Verteilung der Fasern), choshi (links-rechts-Bewegung der Form um eine Faserorientierung in alle Richtungen zu erreichen) und sutemizu (letztes Eintauchen der Form in die Bütte und anschließendes kräftiges Wegschleudern des überschüssigen Wassers) bezeichnet.

Anschließend wird das Rollsieb mit dem neuen Bogen aus dem Schöpfrahmen genommen und direkt Bogen auf Bogen ("shito") abgegautscht.

Japanisches Schöpfsieb beim Abgautschen

Anders als in Europa üblich werden also keine Filze zwischengelegt. Die japanischen Papiermacher helfen sich hier lediglich mit einem dünnen (Seiden-)Faden, der nach jedem neuen Bogen dazwischen gelegt wird. Dies erleichtert die spätere Trennung der noch feuchten Bogen.

Über Nacht werden diese ganz langsam gepresst. Hierdurch wird der Wassergehalt in den Papierbogen bereits um bis zu 30% reduziert. Nach traditioneller japanischer Papierschöpfmethode werden die feuchten Bogen anschließend einzeln mit weichen Bürsten auf Trockenbretter – wegen seiner Saugfähigkeit aus Gingko-, Tannen- oder Zypressenholz – aufgestrichen. Diese Bretter werden zum Trocknen traditionell in die Sonne, in moderneren Manufakturen in einen Trockenungsofen gestellt. Da Papier und Holz zumeist gleichschnell trocknen, können die Papierbogen absolut spannungsfrei trocknen, was ein stärkers Papier ergibt. Um das frühzeitige Abrollen der noch nicht ganz durchgetrockneten Bogen zu verhindern, werden die Trockenbretter mit einem feuchten Kamelienblatt eingerieben. Anschließend werden die getrockneten Papierbogen mit einem kleinen Bambusspatel von den Trockenbrettern abgenommen.

Neben der traditionellen Trocknung auf Holz kann auch die Trocknung auf gewärmten Zylindern oder Platten aus Edelstahl zum Einsatz kommen. Die jeweils gewählte Trocknungsmethode hat zum Teil erheblichen Einfluss auf die Charakteristik des Papiers. Während auf Edelstahl getrocknete Papiere gleichmäßiger, glatter und etwas steifer erscheinen, haben auf Holz getrocknete Papiere eine rauere und offnere Oberfläche. Sie können den Unterschied der Trockungsverfahren bei unseren Japico-Feinpapieren häufig schon daran erkennen, wenn Sie sich diese im leichten Schräg-/Streiflicht anschauen. Zeigt die Papieroberfläche gröbere unregelmäßige Linienstrukturen, stammen diese von der Bürste, mit der der feuchte Papierbogen auf das Trockenbrett gebürstet wurde. Zeigt sich dagegen eine (meist einseitg) glatte, eher geschlossene Oberfläche, wurden das Papier auf einem beheiztem Trockenzylinder getrocknet.  

Dieser Film zeigt den Einblick in eine Museumswerkstatt in Japan, in traditioneller Art qualitativ hochwertigste Papiere geschöpft werden | Stand: Mai 2018).

Gegenwärtig (Stand: 2016) schöpfen in Japan noch ca. 160 Papiermachermeister in dieser traditionellen Art. Eine Ein-Mann-Tagesproduktion liegt zwischen 100 und 200 Bogen Papier. Im November 2014 wurde die Tradition des japanischen Papierschöpfens („Washi“ – dt. Japanpapier) durch die UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.

Dieser Film zeigt, wie ein Bogen Japanpapier im Grossformat geschöpft wird | Stand: Mai 2018).

Anwendungsgebiete von Japanpapier

Japanpapiere (oder auch japanisches Papier bzw. Papiere aus Japan) sind aus mehreren Gründen hervorragend für langlebige Restaurierungen geeignet. Die Reißfestigkeit – auch schon bei den sehr dünnen Japanpapieren – entsteht durch die intensive Verfilzung der langen Bastfasern, die besonders bei der Mehrfachschöpfmethode „Nagashi-zuki“ erreicht wird. Hierdurch sind die Japanpapiere besonders reiß- und knickfest und nahezu unbegrenzt faltbar. Durch ihre natürlichen Rohstoffe (nur beim Aufschließen der Bastfasern werden Aschenlauge oder selten Chemikalien eingesetzt) sind Japanpapiere besonders alterungsbeständig. Für den anschließenden Faseraufschluss werden keine eisenhaltigen Geräte benutzt und die Papiere mit natürlich reinem Quellwasser geschöpft. So entstehen absolut reine, chlor- und eisenfreie, pH-neutrale Papiere. Im Gegensatz zu europäischen Papieren und Materialien für den Museumsbereich (wie z. B. Museumskarton oder Passepartout-Karton) ist der Zusatz von Kalziumcarbonat für einen pH-neutrales Endprodukt bei Japanpapieren nicht notwendig. Japanpapiere sind daher stabiler, natürlicher und besser für langlebige Restaurierungen geeignet.

Die zahlreichen Artikel aus dem Sortiment der japico werden für die vielfältigsten Anwendungen verwendet. Schwerpunkte hierbei sind:

Wir führen sowohl handgeschöpfte Papiere als auch Maschinenpapiere. Möchten Sie ein Japanpapier kaufen, so geht dies am einfachsten hier über unseren japico-Webshop.

Japanpapiere für die Papierrestaurierung

japico-Japanpapiere werden seit vielen Jahrzehnten für Buchbinderei, Restaurierung und technische Anwendungen verwendet. Die dünnsten Japanpapiere werden für Übervliesungen oder Einbettungen von historischem Archivgut, wertvollen Zeichnungen oder Druckgraphiken etc. verwendet. Hierbei wird das Japanpapier einseitig oder beidseitig auf das zu restaurierende Objekt aufgeklebt (zumeist japico-Japanpapier von 1,6 bis 6 g/qm). Das für diese Anwendungen verwendete Japanpapier soll einerseits nicht oder kaum sichtbar sein und andererseits die Stabilität des restaurierten Objektes signifikant erhöhen.

Risse und Knicke werden üblicherweise nur partiell mit dünnem, aber sehr reißfestem Japanpapier hinterklebt (zumeist japico-Japanpapier von 6 bis 20 g/qm). Japanpapiere mit mehr als 10 g/qm werden ferner beispielsweise zur Montage von Zeichnungen und Druckgraphiken in Passepartouts eingesetzt. Japanpapiere mit über 20 g/qm eignen sich beispielsweise für Fälzel- und buchbinderische Arbeiten.

In unserem Sortiment führen wir das vermutlich breiteste Sortiment verschiedener Japan-Restaurierpapiere zwischen 1,6 g/qm bis 30 g/qm. Diese haben wir der besseren Übersicht wegen in folgende Grammaturen unterteilt:

Eine gute Übersicht über unser Sortiment für Restaurierpapiere im Bereich 1,6 bis 30 g/qm erhalten Sie mit unserem Musterbuch 6.15.

Hier können Sie die gewünschte Ware bequem und schnell über unseren Webshop beziehen.

Über die Verwendung von Japanpapieren beispielsweise bei der Restaurierung von den beim Brand der Herzogin Anna Amalia-Bibliothek in Weimar beschädigten Büchern berichtete die Sendung „nano“ am 26. 2. 2014 auf 3sat.

Alternativ verwenden Sie bitte folgenden Link: http://www.3sat.de/mediathek/?mode=play&obj=41915, um zur Sendung zu kommen.

Japan-Feinpapiere für hochwertige Drucke und FineArt (30 bis 180 g/qm)

Unsere japico-Feinpapiere ab 30 g/qm sind bestens für hochwertige FineArt, Druckgraphiken, Radierungen, Holzschnitte und für alle Arten von Buchdruck, Digitalkunstdruck, Lithographie, Radierung und Kupferdrucke, aber auch für Vorsatz- und buchbinderische Arbeiten sowie technische Anwendungen geeignet. Unser breites japico-Feinpapiersortiment hochwertiger Japanpapiere zwischen 31 g/qm und 180 g/qm ist wie folgt gegliedert in:

Eine gute Übersicht über unser Japanpapier-Sortiment ab 30 g/qm erhalten Sie mit unserem Musterbuch 6.2.

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